Das Hohe C – we’ve supported your inner Monkey

Es war wieder wunderbar und es war gleichzeitig der Abschied einer Partyreihe, die mehr als eine Partyreihe war. Bei der Fete de la Music 2014 verabschiedete sich das Kollektiv vom Hohen C aus dem aktiven Veranstaltungsdienst. Worin die Gründe liegen und was die Menschen hinter dem Hohen C in Zukunft tun möchten, darüber spricht Frieder im Interview.

Das Hohe C bereicherte seit Jahren die Veranstaltungskultur der Stadt. Warum war dies Eure letzte Veranstaltung?

Keiner von uns ist mehr in Erfurt, das macht die Organisation einer Veranstaltungsreihe beinahe unmöglich. Manche von uns studieren in Hamburg, andere arbeiten in Berlin, die meisten von uns zog es nach Leipzig.

Wir alle mögen Erfurt. Wir alle brauchten aber neue Perspektiven und Aufgaben. Die konnte uns Erfurt nicht bieten. Das liegt jedoch nicht nur daran, dass Erfurt manchmal auf eine unbefriedigende Weise satt und bequem erscheint, sondern schlichtweg an der Größe der Stadt und der damit einhergehenden Vielfalt der angebotenen Studiengänge oder den Aussichten auf einen interessanten Arbeitsplatz. Wir sind trotz unser Beziehung zu Erfurt gegangen und nicht wegen ihr. Erfurt hat uns und seinen Horizont erschöpft, vielleicht kommen wir irgendwann erholt nach Hause zurück.

Das Hohe C gibts schon seit fast sieben Jahren – viel Zeit also für intensive Erlebnisse. Was waren die Highlights, welche Menschen haben das Projekt besonders geprägt und begleitet?

Das Hohe C war ein von uns erschaffener Raum, in dem wir auf clevere Weise naiv unsere Vorstellungen verwirklichen konnten. Die Beziehung war wechselseitig: wir machten Das Hohe C und in gewisser Hinsicht, machte Das Hohe C auch uns. Wir haben sehr viele gute Nächte gehabt, weil wir unsere Idee von einer perfekten Party in einem gewinnorientierten Veranstalterkosmos emanzipieren konnten. Wir haben dabei gewiss vieles falsch gemacht, aber auch vieles richtig.

In der Küche einer WG–Party malten wir uns aus, wie es wäre Bodi Bill zu Gast zu haben und keiner glaubte daran, dass es Wirklichkeit werden könnte. Ein paar Monate später standen sie bei einem Hohen C auf der Bühne. Einen Winter lang hörten wir Pantha Du Prince, im kommenden Frühjahr saß er glückselig nach seinem Auftritt in unserem Backstage.

Hinter dem Hohen C stand ein Freundeskreis, der meist monatelang engagiert über jedes Detail einer jeden Veranstaltung diskutierte. Der Moment an einem Abend, an dem diese Gespräche mit einer Schlange am Einlass belohnt wurden, war immer ein Höhepunkt für jeden von uns. Nachdem wir tagelang im Wald an einem Foto für den Flyer gebastelt hatten und dann plötzlich der Flyer gedruckt vor uns lag – auch das war ein glückseliger Moment. Unsere Partys im Wald, die es eigentlich nie gegeben hat, haben uns kollektiv beglückt. Indem Wolfgang Beese die Fête de la Musique nach Erfurt holte, verschaffte er uns einen weiteren Tag in jedem Jahr, den man als besonders erlebenswert begreifen könnte. In einem Park vor einer Bühne zu stehen, die dort eigentlich nicht hingehört, weil sie Musik hervorbringt, die jede Parkordnung in ihren Grundfesten erschüttert, macht lebensfroh.

Was kommt nach dem Hohen C? Welche Perspektiven oder Ideen gibt es? Was hat jeder aus der Zeit mitgenommen oder gelernt?


In Leipzig ist bereits ein neues Projekt entstanden, in anderen Städten werden weitere folgen. Ich persönlich denke daran, gemeinsam ein kleines Festival zu initiieren, habe den anderen jedoch noch nichts davon erzählt.

Jeder von uns nimmt seine eigenen Erkenntnisse und Erinnerungen mit. Ich habe zum Beispiel gelernt, einen Spanngurt zu bedienen und ein Stromkabel so aufzuwickeln, dass ich dafür gelobt werde.

Und zum Schluß – wenn ihr danken könntet, wem würdet Ihr danken?

Die meisten Menschen, die uns wirklich getragen haben, wissen, wie sehr wir ihre Unterstützung brauchten und zu schätzen wissen. Einer dieser Menschen ist Andie Welskop, der Das Hohe C überhaupt erst möglich machte. Manchmal, weil er uns erklärte, wie das Geschäft funktioniert und manchmal, weil wir in der Küche des Zughafens unser Catering vorbereiten konnten. Beides gleichermaßen wichtig. Lotus Lumina haben uns nicht nur gezeigt was Techno bedeutet, sondern auch immensen Aufwand betrieben, um die Veranstaltungsorte immer wieder neu zu erfinden. Wolfgang Beese hat nicht nur uns, sondern auch Erfurt mit seinem Engagement ungemein bereichert. Sebastian Bohn hat viele unserer Bookings ermöglicht, Dirk Rauscher die Visuals explodieren lassen und die gesamte Mannschaft des Zughafens nicht nur schwere Gegenstände, sondern auch unsere Veranstaltungen mitgetragen. Im Zentrum stand jedoch natürlich immer die Musik. Deshalb gilt vor allem den Musikern unser Dank, die oftmals für keine oder wenig Gage gespielt haben.

 

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